Heute nun möchte ich mich wieder einmal an Sie wenden, in der Hoffnung, Sie haben nach all den aufwühlenden vergangenen Wochen überhaupt noch Muse, noch einen Beitrag im Web zu verfolgen. Denn wenn es Ihnen so geht wie mir, dann sind Sie vermutlich auch übersättigt von der ganzen Informationsflut, die aktuell gefühlt noch viel stärker über uns hereinbricht als das bisher bereits der Fall war.

Nichtsdestotrotz möchte ich Ihnen heute ein kleines Tool näherbringen, mit welchem Sie Ihre „Stressbewältigungskompetenz“ steigern können.

Selbst mir als „Entspannungsprofi“ fällt es oft noch schwer, regelmäßig kleine Pausen in einen überfüllten Tag einzubauen. Oft schaffe ich den Ausstieg aus dem täglichen Hamsterrad erst, wenn es eigentlich schon zu spät ist und Körper und Seele ausgepowert sind. Sie kennen das? Dann kann mein Artikel vielleicht hilfreich für Sie sein.

Und zwar machen wir uns bei diesem Tool die Fähigkeit des Gehirns zunutze, quasi permanent unbewusst Reize aus der Umwelt wahrzunehmen, sie bestimmten Wissens- und Gefühlsnetzwerken zuzuordnen und dann – unbewusst – Reaktionen, Verhaltensweisen und Prozesse auszulösen. Diesen Vorgang bezeichnet man auch „Priming“. Vielleicht kennen Sie das folgende kleine Experiment, in welchem Sie vier kurze Fragen schnell hintereinander beantworten sollen:

  1. Welche Farbe haben die Wolken?
  2. Welche Farbe hat ein Brautkleid?
  3. Welche Farbe hat Schnee?
  4. Was trinkt die Kuh?

Wer das Experiment noch nicht kennt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit geneigt, Milch zu sagen oder zumindest zu denken (Sie dürfen es ruhig zugeben, ich verrate es keinem 😉). Das liegt daran, dass unser Gehirn durch die ersten drei Fragen auf das Thema „weiße Farbe“ fokussiert hat. Der Weg von „weiß“ über „Kuh“ hin zu „Milch“ ist für unser Gehirn einfach wesentlich schneller als hin zu „Wasser“.

Dieser Effekt ist wissenschaftlich hinreichend belegt und bereits sehr lange in vielen Teilen der Wirtschaft angekommen, denken wir nur an die Werbewirtschaft. Nicht immer sind uns die Auswirkungen dieser Gehirnleistung willkommen, kann man uns doch damit sehr leicht und unwissentlich manipulieren.

4 Schritte zur Entspannung auf „Knopfdruck“

Doch ganz bewusst zu unserem Vorteil eingesetzt, kann man sich diese Arbeitsweise des Gehirns zunutze machen, um die eigene Entspannungsfähigkeit zu stärken. Man kann sich sozusagen „selbst primen“. Wie das geht?

Eigentlich ganz einfach. Es braucht zwar zunächst ein bisschen Überlegung. Jedoch einmal installiert, funktioniert das Ganze ohne Ihr aktives Zutun. Klingt das nicht wunderbar? Und so könnten Sie es für sich nutzen:

1. Sie suchen sich zunächst viele kleine Erinnerungshilfen, sogenannte „Primes“, die bei ihrem Anblick ein gutes/entspanntes Gefühl in Ihnen auslösen und direkt Ihr Entspannungsnetzwerk ansprechen.

2. Diese Erinnerungshilfen platzieren Sie überall dort, wo Sie den ganzen Tag damit in Berührung kommen können. Ein Bild vom letzten Urlaub kann zum Beispiel gut als Desktop- oder Handyhintergrund eingerichtet werden. Ihr Lieblingslied, bei welchem Sie sofort innerlich zu lächeln oder zu tanzen beginnen, eignet sich hervorragend als Prime, wenn es als Handymelodie oder Wecker eingestellt wird. Ein Badezusatz, der Sie an den letzten Urlaub erinnert, lässt Sie komplett abschalten, sobald Sie sich damit ein Bad einlassen. Vielleicht gibt es aber auch einen passenden Schlüsselanhänger, der Sie bei jedem Griff zum Schlüssel in einem kurzen Moment der Entspannung versetzt. Man könnte auch das Passwort zu Ihrem PC mit Ihrem Entspannungsmoment verknüpfen. Suchen Sie sich also viele kleine Dinge, die Ihnen im Alltag, beruflich und privat, mehrfach am Tag begegnen. Ihrer Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

3. Jedes Mal, wenn Sie nun das Passwort eintippen, das Urlaubsbild beim Blick aufs Handy anschauen, Ihr Lieblingslied bei einem Anruf hören etc. erfährt Ihr Gehirn ganz nebenbei eine kleine Dosis Entspannung oder Glücksgefühl, denn immer dann wird Ihr Entspannungsnetzwerk aktiviert. Es dürfen hier gern viele Erinnerungshilfen sein, denn je häufiger Sie am Tag damit in Kontakt kommen, umso intensiver wird das Netzwerk aktiviert, hier getreu dem Motto „viel hilft viel“.

4. Wenn Sie nun jeden bewusst wahrgenommenen Prime zusätzlich noch mit einer kurzen achtsamen Atempause verknüpfen und sich innerlich ein Lächeln schenken, sind Sie auf dem besten Weg, Ihre Entspannungskompetenz jeden Tag ein Stück weiter aufzubauen. Und wäre das nicht eine schöne Vorstellung?

Diese Dinge können natürlich nur einen kleinen aber kontinuierlichen Beitrag leisten zu Ihrer gesamten individuellen „Entspannungsstrategie“.  Ausprobieren lohnt sich dennoch. Viel Spaß dabei und Sie wissen ja: wenn Sie Unterstützung dabei brauchen, berate ich Sie natürlich auch ganz individuell unter 0331/2767344 oder per E-Mail unter  mail@perspektivwechselpotsdam.de.

Zum Weiterlesen:

1 Gunter Frank, Maja Storch (10. Auflg. 2019): Die Manjana- Kompetenz – Auch Powermenschen brauchen eine Pause.

2 Jochen Mai: Karrierebibel: Priming. Wie Worte wirken. https://karrierebibel.de/priming/ (zuletzt besucht am 2.5.2020)